Das Meiden neuer Nahrungsmittel, auch als Nahrungsneophobie bekannt, ist die Abneigung gegen den Verzehr von Lebensmitteln, die für eine Person neu sind, oder das Vermeiden dieser. Aus evolutionärer Sicht kann es von Vorteil gewesen sein - es ermöglichte das Vermeiden von Giftstoffen, aber heute kann es mit einem höheren Risiko für Nahrungsschwäche und einer schlechteren Ernährungsqualität verbunden sein.
Ernährungsbezogene Neophobie: Ursachen, Folgen und Altersverlauf einer selektiven Essstörung
Die ernährungsbezogene Neophobie – definiert als anhaltende Ablehnung unbekannter Lebensmittel – ist nicht nur mit einem erhöhten Risiko für Mangelernährung oder Mikronährstoffdefizite assoziiert, sondern geht häufig auch mit sozialen und psychologischen Belastungen einher, etwa durch die Vermeidung gemeinschaftlicher Mahlzeiten oder die Einschränkung sozialer Interaktionen. Entwicklungspsychologische Studien zeigen, dass diese Störung besonders im Kleinkindalter zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr ihren Höhepunkt erreicht und typischerweise mit einer Präferenz für stark verarbeitete, nährstoffarme Lebensmittel einhergeht. Betroffene Kinder weisen dabei eine ausgeprägte Abneigung gegen Obst und Gemüse auf, was die Nährstoffbilanz zusätzlich verschlechtert. Obwohl die Symptomatik bei den meisten Individuen mit zunehmendem Alter abklingt, persistiert sie bei einem Teil der Bevölkerung bis ins Erwachsenenalter und führt zu einer chronisch eingeschränkten Lebensmittelvielfalt. Die Folgen sind ernährungsphysiologisch bedenklich: Eine finnische Langzeitstudie von Knaapila et al. (2015) dokumentierte bei neophobischen Probanden (n=1178 Frauen, n=1013 Männer) signifikant geringeren Gemüsekonsum sowie eine insgesamt schlechtere Ernährungsqualität im Vergleich zu nicht betroffenen Kontrollgruppen. Besonders relevant ist zudem der intergenerationelle Transmissionseffekt: Mütter mit ausgeprägter Neophobie übertragen ihre Essgewohnheiten oft unbewusst auf ihre Kinder, wobei bei siebenjährigen Mädchen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung der Störung besteht, wenn auch die Mutter betroffen ist (Galloway et al., 2003).
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