Im Laufe der Zeit haben immer mehr Menschen auf der ganzen Welt mit Übergewicht und Depressionen zu kämpfen, und diese beiden Gesundheitszustände treten oft gleichzeitig auf. Warum ist das so? Ist Fettleibigkeit die Ursache für Depressionen, oder führt Depression zu Fettleibigkeit?
Klinische Parallelen zwischen depressiven Störungen und Adipositas: Untersuchung gemeinsamer pathomechanistischer Prozesse
Bei einer eingehenden Betrachtung des klinischen Erscheinungsbildes von Depressionen und Adipositas lassen sich in beiden Fällen signifikante Veränderungen im Bereich der körperlichen Aktivität, des Appetits sowie der Hungerregulation feststellen, wie es bereits in den Studien von Sullivan, Prescott und Kendler aus dem Jahr 2002 dokumentiert wurde. Bei Patienten mit depressiven Störungen können divergente Essverhaltensmuster beobachtet werden – von einer deutlichen Appetitlosigkeit bis hin zu einer pathologischen Steigerung des Nahrungsbedürfnisses. Im Hinblick auf körperliche Aktivität neigen Personen mit diagnostizierter Depression häufig dazu, jegliche Formen von Bewegung zu meiden, wohingegen bei Patienten mit komorbider ADHS vom vorherrschend hyperaktiven Subtyp und gleichzeitig diagnostizierter Depression paradoxerweise ein erhöhtes Bewegungsbedürfnis auftreten kann, wie es von McElroy und Kollegen im Jahr 2004 beschrieben wurde. In den letzten Jahren hat das Konzept der Darm-Hirn-Achse zunehmend an wissenschaftlicher Aufmerksamkeit gewonnen, da deren Bedeutung für die Funktion des Nervensystems sowie für die Regulation von Stimmung und Verhalten Gegenstand intensiver Forschung geworden ist. Es zeigt sich, dass die Zusammensetzung des intestinalen Mikrobioms einen erheblichen Einfluss auf kognitive Prozesse und den psychischen Zustand ausüben kann, was neue Perspektiven für das Verständnis eröffnet, auf welche Weise die Ernährung die psychische Gesundheit modifizieren und die Entstehung verschiedener Störungen begünstigen kann. Untersuchungen von Bremner und seinem Team aus dem Jahr 2020 deuten darauf hin, dass spezifische Hirnareale sowie Neurotransmitter und Neuropeptide, die sowohl in die Stimmungsregulation als auch in die Appetitkontrolle involviert sind, eine zentrale Rolle bei der Vermittlung dieser Zusammenhänge spielen könnten.
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