Bindung entsteht in der Kindheit als Reaktion auf die Erfüllung grundlegender menschlicher Bedürfnisse. Ihre Form hängt vom Verhalten der Umgebung und der Bindungsobjekte ab, die am häufigsten die Eltern und insbesondere die Mutter sind. Die in der frühen Kindheit durch Interaktion mit der Umgebung geformten Stile beeinflussen das Verhalten des Individuums in späteren Lebensphasen. Sie haben auch einen erheblichen Einfluss auf das Erscheinungsbild von Interaktionen mit anderen Menschen und auf den Prozess des Aufbaus und der Aufrechterhaltung einer Beziehung zu einem Partner.
Die emotionale Bindung: Grundpfeiler der Beziehung zwischen Kind und Bezugsperson
Bindungsverhalten, definiert als eine tiefgreifende und langfristige emotionale Verbindung zu einer spezifischen Person, entsteht bereits in der frühen Kindheit, vornehmlich zwischen einem Kind und seiner primären Bezugsperson. Diese Bindung lässt sich anhand charakteristischer Merkmale erkennen, zu denen zunächst die Selektivität zählt – die Fokussierung auf eine bestimmte Person, die Verhaltensweisen hervorruft, die in Beziehungen zu anderen Personen nicht auftreten. Ein weiteres zentrales Element ist das innere Bedürfnis, in der Nähe dieser Person zu bleiben, was darauf zurückzuführen ist, dass sie dem Kind ein Gefühl von Sicherheit und emotionalem Wohlbefinden vermittelt (das dritte entscheidende Merkmal). Wenn die Bezugsperson die Gefühle des Kindes erwidert, erfüllt sie dessen grundlegende Bedürfnisse – sie bietet Fürsorge, Schutz und emotionale Stabilität, was dem Kind ermöglicht, seine Umgebung frei zu erkunden und bei Unsicherheit oder Gefahr in den "sicheren Hafen" zurückzukehren. Die Bindungstheorie wurde von John Bowlby entwickelt, der annahm, dass Kinder aufgrund ihrer genetischen Ausstattung biologisch darauf vorbereitet sind, eine Bindungsbeziehung zu ihrer Bezugsperson aufzubauen, und dass diese Bindung für das Überleben der Art genauso bedeutend ist wie andere adaptive Verhaltensweisen, etwa die Nahrungssuche oder die Partnerwahl. Im Laufe der kindlichen Entwicklung durchläuft die Bindung verschiedene Phasen: Zunächst reagiert das Kind mit einem Lächeln auf jede Person, dann beginnt es, zwischen vertrauten Bezugspersonen und Fremden zu unterscheiden, auch wenn Letztere weiterhin positive Reaktionen auslösen. In einer späteren Phase erkennt das Kind seinen "Bindungspartner" klar und zeigt Misstrauen gegenüber Unbekannten sowie Protest bei Trennung – ein Zeichen für die gefestigte Bindung. Interessanterweise müssen Bindungspersonen nicht zwangsläufig die leiblichen Eltern sein; diese Rolle können auch Adoptiveltern, Erzieher in Krippe oder andere ständige Bezugspersonen im Leben des Kindes einnehmen. Das Geschlecht der Bezugsperson spielt dabei keine entscheidende Rolle, da sowohl Männer als auch Frauen gleichermaßen in der Lage sind, kompetente Fürsorge zu leisten. Zudem sind weder die Erfüllung grundlegender physischer Bedürfnisse noch die kontinuierliche Anwesenheit ausschlaggebend für die Wahl der Bindungsperson – selbst ein berufstätiger Elternteil, der nur wenige Stunden täglich mit dem Kind verbringt, kann eine Quelle der Sicherheit darstellen, sofern die Qualität der gemeinsamen Interaktionen – geprägt von Freude, Anregung und Spiel – hoch ist. Genau diese Aspekte sind es, die Kinder am meisten schätzen und nach denen sie sich in Momenten der Trennung von der Bezugsperson sehnen.
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