Die Inzidenz von SIBO bei Erwachsenen wird auf etwa 2,522% geschätzt. SIBO wird bei etwa 47,5% der Patienten mit Reizdarmsyndrom (IBS) beobachtet. Die Symptome betreffen hauptsächlich das Verdauungssystem und umfassen Blähungen, Gas, Durchfall und Verstopfung. Erkrankungen des Verdauungssystems können eng mit dem psychischen Zustand zusammenhängen, da der Darm manchmal als zweites Gehirn bezeichnet wird. Eine frühe Diagnose und die Einleitung geeigneter Maßnahmen sind daher von entscheidender Bedeutung, um das Gleichgewicht im Körper wiederherzustellen.
Das Dünndarmfehlbesiedlungssyndrom (SIBO): Definition, pathophysiologische Grundlagen und klinische Relevanz
Das *Small Intestinal Bacterial Overgrowth*-Syndrom (SIBO) bezeichnet eine pathologische Veränderung der Darmflora, bei der es zu einer **übermäßigen Vermehrung und Fehlbesiedlung des Dünndarms** mit Bakterien kommt, die normalerweise primär im Dickdarm vorkommen. Die intestinale Mikrobiota lässt sich in drei Hauptkategorien unterteilen: **nützliche Symbionten** (z. B. *Lactobacillus rhamnosus*, *Bifidobacterium longum*), **fakultativ pathogene Keime** (wie *Escherichia coli* oder *Streptococcus pneumoniae*) sowie **obligat pathogene Erreger** (etwa *Clostridium perfringens*). Die Aufrechterhaltung dieses Gleichgewichts hängt von mehreren physiologischen Faktoren ab, darunter die **Magensäurebarriere** (pH-Wert zwischen 1,5 und 3,5), die **enzymatische Aktivität** (Pepsin, Pankreaslipase) und die **antibakterielle Wirkung der Gallensäuren**. Störungen dieser Schutzmechanismen – etwa durch **verminderte Säureproduktion** (Hypochlorhydrie), **gestörte Darmmotilität** oder **Insuffizienz der Ileozökalklappe** – begünstigen die Besiedlung des Dünndarms mit koliformen Bakterien. Der zentrale Pathomechanismus von SIBO besteht in der **Dysfunktion des migratorischen motorischen Komplexes** (MMC), einer **interdigestiven, zyklischen Peristaltikwelle**, die zwischen den Mahlzeiten aktiv ist und der **Reinigung des Dünndarms von Nahrungsresten und Mikroorganismen** dient. Die **Phase III des MMC** – gekennzeichnet durch intensive, propagierende Kontraktionen über 5–10 Minuten alle 90–120 Minuten – ist dabei besonders relevant. Eine gestörte MMC-Aktivität führt zu **Stagnation des Darminhalts** und begünstigt das bakterielle Überwuchern. Die klinische Präsentation von SIBO ist variabel, aber **gastrointestinale Beschwerden** wie Blähungen, Durchfälle, Obstipation, abdominelle Schmerzen und Nahrungsmittelunverträglichkeiten stehen im Vordergrund. Aufgrund der **Überschneidung mit dem Reizdarmsyndrom (IBS)** ist eine differenzialdiagnostische Abklärung mittels **Wasserstoff-Atemtest (Laktose/Glukose)** oder **Dünndarmaspiration mit mikrobiologischer Kultur** erforderlich.
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