Das Verzehren von Badeschwämmen oder Seife ist oft mit dem Verhalten von Kleinkindern verbunden, die gerade erst ihre Umgebung kennenlernen und lernen, welche Produkte essbar sind und welche nicht. Allerdings kann das Problem des Verzehrs von nicht zum Verzehr bestimmten Produkten auch bei Erwachsenen auftreten und ein Symptom einer als Pica bekannten Essstörung sein.
Pica-Syndrom – Definition und Merkmale der Störung durch den Verzehr nicht essbarer Substanzen
Das Pica-Syndrom stellt eine psychische Störung dar, die durch das anhaltende Verspeisen von Gegenständen oder Substanzen gekennzeichnet ist, welche gemeinhin nicht als Nahrungsmittel gelten und keinen Nährwert besitzen – ein Verhalten, das weder kulturellen Normen entspricht noch dem Entwicklungsstand der betroffenen Person angemessen ist. Für die Diagnosestellung muss diese Symptomatik mindestens einen Monat bestehen, wobei die Episoden des Konsums ungenießbarer Materialien nicht zwingend in regelmäßigen Abständen auftreten müssen. Obwohl die Störung in vielen Fällen einen milden Verlauf nimmt, kann sie in extremen Situationen eine unmittelbare Lebensgefahr darstellen – sei es durch die Toxizität der aufgenommenen Substanzen oder durch das Risiko mechanischer Verletzungen des Magen-Darm-Trakts durch scharfe oder harte Gegenstände. Ein langfristiges Bestehen dieses Verhaltens kann zu schweren Nährstoffmängeln führen; paradoxerweise werden bestimmte Mikro- und Makronährstoffdefizite (wie Eisen- oder Zinkmangel) sogar als mögliche Auslöser oder Verstärker der Pica-Symptome diskutiert. Epidemiologische Studien zeigen, dass die Störung gehäuft bei Personen mit verminderten kognitiven Fähigkeiten auftritt, darunter Kinder im Entwicklungsalter, Jugendliche sowie Erwachsene mit geistiger Behinderung. Trotz der auffälligen und schwer zu übersehenden Symptome bleibt Pica eine der am häufigsten unterdiagnostizierten Erkrankungen. Im DSM-5 (Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders) wird sie den Essstörungen zugeordnet – neben Anorexie oder Bulimie –, während die Internationale Klassifikation der Krankheiten ICD-10 sie nicht als eigenständige Entität führt. Die Prävalenzschätzung gestaltet sich aufgrund fehlender standardisierter Diagnosekriterien und einer hohen Dunkelziffer als außerordentlich schwierig: Viele Fälle werden nicht erfasst, da Betroffene oder Betreuer die Verhaltensweisen nicht melden und Ärzte sie oft als Symptom einer anderen Grunderkrankung fehlinterpretieren. Besonders problematisch ist die Einschätzung der Häufigkeit bei Kindern, bei denen das Ausprobieren ungewöhnlicher Gegenstände Teil des natürlichen Erkundungsverhaltens sein kann. Wie eine Studie von R. Mishori et al. (2014) zeigt, ist die Zahl der Krankenhausaufenthalte aufgrund von Komplikationen nach dem Verzehr nicht essbarer Substanzen in den letzten Jahren um 93 % gestiegen – ein Indiz für die zunehmende Verbreitung dieses Phänomens in der Allgemeinbevölkerung.
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