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Muskelabbau – was ist das?

David Janitzek

David Janitzek

2026-03-18
3 Min. Lesezeit
Muskelabbau – was ist das?
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Kürzlich haben wir auf unserem Portal die Osgood-Schlatter-Krankheit besprochen, die eine Folge von übermäßiger körperlicher Aktivität ist. In diesem Artikel werde ich ein weiteres Problem vorstellen, das aus übermäßig intensiver körperlicher Anstrengung resultiert - die Muskelzerstörung, auch als Rabdomyolyse bekannt.

Rhabdomyolyse: Definition, Ursachen und pathologische Folgen des Muskelfaserzerfalls

Die Rhabdomyolyse, medizinisch auch als Querstreifenmuskelzellzerfall bezeichnet, repräsentiert eine schwerwiegende systemische Störung, bei der es zu einer massiven Destruktion der Skelettmuskulatur kommt. Dieser pathologische Prozess führt zur Freisetzung intrazellulärer Proteine – insbesondere Myoglobin, aber auch Elektrolyte wie Kalium – in den systemischen Blutkreislauf, was eine Kaskade lebensbedrohlicher Komplikationen auslöst. Zu den häufigsten und gefährlichsten Folgen zählen das akute Nierenversagen (verursacht durch die nephrotoxische Wirkung von Myoglobin und ischämische Schädigung), schwerwiegende Herzrhythmusstörungen (ausgelöst durch Hyperkaliämie) sowie Gerinnungsstörungen. Historisch wurden erste dokumentierte Fälle dieser Erkrankung im Zusammenhang mit traumatischen Verletzungen bei Soldaten während des Zweiten Weltkriegs (1939–1945) beschrieben, was den Zusammenhang mit extremer körperlicher Belastung und mechanischen Traumata unterstreicht.

Rhabdomyolyse: Auslösende Faktoren und Pathomechanismen der Muskelschädigung

Die primäre Ursache für den massiven Zerfall quergestreifter Muskelfasern stellt eine anhaltende, extreme körperliche Belastung mit hoher Intensität dar. Das belastungsinduzierte Rhabdomyolysesyndrom tritt mit besonderer Häufigkeit bei Leistungssportlern in Ausdauer- und Kontaktsportarten auf – darunter Straßenradfahrer, Langstreckenläufer sowie Rugbyspieler – sowie bei Personen, die strenge Trainingsregime durchlaufen, wie etwa Kraftsportler, Militärangehörige in der Grundausbildung oder Bodybuilder. In dieser zweiten Gruppe wird die muskuläre Degeneration vor allem bei Personen beobachtet, die nach einer längeren Trainingspause wieder mit intensiven Übungen beginnen, sowie bei Anfängern, deren Organismus noch nicht an die Belastungen adaptiert ist. Es ist hervorzuheben, dass das Risiko einer Rhabdomyolyse deutlich ansteigt bei Personen, die kürzlich eine virale Infektion (z. B. Influenza, COVID-19) durchgemacht haben oder unter Bedingungen erhöhter Umgebungstemperatur bei gleichzeitiger hoher Luftfeuchtigkeit trainieren, was zu thermischer Überlastung und Dehydratation beiträgt. Allerdings ist extreme körperliche Anstrengung nicht der einzige prädisponierende Faktor – zur Entwicklung dieses Syndroms können ebenfalls akute Formen entzündlicher oder metabolischer Myopathien, mechanische Traumen (z. B. Quetschungen, prolongierte Immobilisation unter Trümmern) sowie thermische Verbrennungen dritten Grades führen. Ein weiterer bedeutender Mechanismus ist die Ischämie großer Muskelgruppen, etwa als Folge prolongierter Kompression während komplexer chirurgischer Eingriffe oder eines kreislaufbedingten Schocks. Darüber hinaus zeigen zahlreiche klinische Studien einen starken Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Rhabdomyolyse und akuter Ethanolvergiftung (insbesondere bei gleichzeitigem Thiaminmangel), krampfartigen Anfällen im Rahmen von Epilepsie, Elektrolytstörungen (Hypokaliämie, Hypophosphatämie) sowie der toxischen Wirkung bestimmter Medikamentengruppen – darunter lipidsenkende Fibrate, entzündungshemmende Salicylate, cholesterinsynthesehemmende Statine – sowie dem Missbrauch psychoaktiver Substanzen wie Amphetamin, Kokain oder Heroin.

Klinische Anzeichen einer Muskelfaserzerstörung (Rhabdomyolyse)

Das zentrale und meist auffälligste Merkmal einer fortschreitenden Rhabdomyolyse besteht in einer deutlichen Abnahme der muskulären Kontraktionsfähigkeit, die auf die Zerstörung der quergestreiften Muskelfasern zurückzuführen ist. Dieser Kraftverlust geht in der Regel mit anhaltenden Ruheschmerzen der Muskulatur einher, welche medizinisch als Myalgie klassifiziert werden. Anfangs manifestieren sich diese Beschwerden vornehmlich in den proximalen Abschnitten der oberen und unteren Extremitäten, breiten sich jedoch im weiteren Verlauf häufig auf die Lendenwirbelsäulenregion aus. Betroffene berichten zudem über wiederkehrende, unwillkürliche Muskelzuckungen, sichtbares Anschwellen des Weichgewebes sowie eine leichte Erhöhung des Muskeltonus. In schweren Fällen kann die fortschreitende Schädigung der Muskelfasern zu krampfartigen Episoden, subfebrilen Temperaturen oder Fieber führen und zudem kognitive Beeinträchtigungen wie Verwirrtheit oder Bewusstseinsstörungen auslösen.

Therapeutisches Vorgehen bei Rhabdomyolyse – diagnostische und interventionelle Strategien

Die wirksame Behandlung einer Rhabdomyolyse erfordert zunächst eine umfassende labordiagnostische Abklärung, um das objektive Vorliegen charakteristischer Marker für Skelettmuskelschäden zu bestätigen. Von zentraler Bedeutung ist die Bewertung biochemischer Parameter, darunter die Aktivität der Kreatinkinase (CK), die Konzentration der Aspartat-Aminotransferase (AST), der Laktatdehydrogenase-Spiegel (LDH) sowie Nierenfunktionswerte wie Harnstoff und Kreatinin. Die Therapie muss streng ätiologiebezogen erfolgen: Bei medikamentös induzierten Fällen ist eine sofortige Anpassung des Arzneimittelregimes unerlässlich, während bei belastungsbedingten Schäden ein vollständiges Aussetzen körperlicher Aktivität in Kombination mit regenerativen Protokollen empfohlen wird. Optimale Ergebnisse erzielen manuelle Techniken wie passives Muskeldehnen und Faszientherapie, ergänzt durch lokale Kryotherapie zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung. Thermische Anwendungen sind aufgrund des Risikos einer Verstärkung des Gewebeabbaus absolut kontraindiziert. In fortgeschrittenen Krankheitsstadien kommt Mannitol-Infusionen zum Einsatz, deren osmotische Wirkung die Nierenperfusion fördert und das muskuläre Ödem begrenzt.
David Janitzek

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