Skip to main content
Blog

Wie die Ernährungsweise der Eltern die Essensauswahl ihrer Kinder beeinflusst

Mia Hoffmann

Mia Hoffmann

2026-03-23
5 Min. Lesezeit
Wie die Ernährungsweise der Eltern die Essensauswahl ihrer Kinder beeinflusst
35 Aufrufe
Einige Kinder konsumieren Gemüse mit Freude, während andere Schwierigkeiten haben, ihre Ernährung zu erweitern. Im Allgemeinen verbinden Eltern dies mit genetischen Anlagen oder dem Verhalten ihres eigenen Nachwuchses, jedoch ist es ebenfalls möglich, dass die Ernährungsgewohnheiten der Eltern und ihre Essgewohnheiten einen erheblichen Einfluss auf die Art und Weise haben, wie sich junge Kinder ernähren.

Bestimmen unsere Gene die Ernährungspräferenzen und diätetischen Entscheidungen?

Das menschliche Genom speichert nicht nur Informationen über physische Merkmale wie Augenfarbe oder Körpergröße, sondern auch Daten über die Anfälligkeit für verschiedene Erkrankungen. Darüber hinaus deuten immer mehr wissenschaftliche Erkenntnisse darauf hin, dass DNA-Sequenzen eine bedeutende Rolle bei der Prägung ungünstiger Ernährungsgewohnheiten spielen könnten – etwa bei der übermäßigen Aufnahme stark verarbeiteter Lebensmittel oder bei der Überschreitung des täglichen Kalorienbedarfs. Doch sind genetische Prädispositionen der einzige Faktor, der unsere kulinarischen Entscheidungen bestimmt? Studien unter der Leitung von O. Mompeo (2020) legen nahe, dass Vererbung bestimmte Aspekte des Ernährungsverhaltens beeinflussen kann. Ein vergleichender Blick auf eineiige und zweieiige Zwillinge offenbart überraschende Zusammenhänge: Eineiige Zwillinge, die identisches Erbgut teilen, zeigen eine deutlich größere Übereinstimmung in ihren Geschmackspräferenzen – insbesondere bei Produkten wie Kaffee oder Knoblauch – als zweieiige Zwillinge. Diese Beobachtungen könnten darauf hindeuten, dass der genetische Code eine zentrale Rolle bei der Bestimmung kulinarischer Vorlieben spielt. Dennoch bedarf es für die Manifestation dieser genetischen Anlagen passender Umweltfaktoren. Während der kindlichen Entwicklung üben Betreuungspersonen den größten Einfluss auf die Ernährungsgewohnheiten aus – sie sorgen nicht nur für Sicherheit, sondern prägen auch Essmuster, die sich ein Leben lang festigen können. Daher kann zwar die Veranlagung durch Gene bestimmte Vorlieben begünstigen, doch die endgültige Ausprägung der Ernährungsgewohnheiten entsteht durch das Zusammenspiel von Erbgut und dem Umfeld, in dem ein Individuum aufwächst.

Der Zusammenhang zwischen elterlicher Ernährungsweise und den Essgewohnheiten von Kindern: Einflussmechanismen und bestimmende Faktoren

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen belegen eindeutig, dass das Ernährungsverhalten der Mutter den größten und nachhaltigsten Einfluss auf die Entwicklung zukünftiger Essgewohnheiten des Kindes ausübt (Fisk et al., 2010). Dieses Phänomen lässt sich durch mehrere Faktoren erklären, wobei besonders hervorzuheben ist, dass die Mutter in den meisten Fällen die Hauptverantwortliche für die Planung und Zubereitung der Familienmahlzeiten ist und zudem die meiste Zeit in direktem Kontakt mit dem Kind während der frühen Entwicklungsphase verbringt. Eltern dienen Kindern als primäres Bezugsmodell – durch Beobachtung und Nachahmung eignen sich Kinder nicht nur soziale Verhaltensweisen an, sondern auch Essgewohnheiten. Obwohl allgemein angenommen wird, dass die Hauptaufgabe der Eltern im Bereich der kindlichen Ernährung darin besteht, ausgewogene und nährstoffreiche Mahlzeiten anzubieten, erweist sich die Vermittlung positiver Ernährungsvorbilder durch das eigene Verhalten als ebenso entscheidend. Es ist unwahrscheinlich, dass ein Kind mit Begeisterung Obst oder Gemüse isst, wenn diese zwar regelmäßig auf dem Tisch stehen, die Eltern selbst diese Lebensmittel jedoch meiden. Laut einer Studie von Awasthi, Gupta und Bigoniya aus dem Jahr 2020 werden die Essgewohnheiten von Kindern durch folgende Faktoren beeinflusst: – der Anteil an Gemüse und Obst in der täglichen Ernährung der Eltern, – die Häufigkeit, mit der Eltern zu stark verarbeiteten Lebensmitteln greifen, – die Regelmäßigkeit gemeinsamer Mahlzeiten im Familienkreis, – das Vorhandensein von Ernährungseinschränkungen sowohl bei den Eltern als auch bei den Kindern, – die individuellen Ernährungsstile der Eltern (z. B. restriktiv vs. permissiv), – die persönlichen kulinarischen Vorlieben der Eltern, – die Verfügbarkeit einer vielfältigen Lebensmittelauswahl im Haushalt, – die Art der von der Familie besuchten Gastronomiebetriebe, – das Bildungsniveau der Eltern in Bezug auf Ernährung, – die wirtschaftliche Situation der Familie, – das Ausmaß der elterlichen Besorgnis über das Körpergewicht des Kindes, – der Grad des auf das Kind ausgeübten Drucks in Bezug auf das Essen, – der Body-Mass-Index (BMI) der Eltern selbst.

Einfluss der Tischatmosphäre auf die kindliche Ernährungsentwicklung: Wie man eine förderliche Esskultur in der Familie schafft

Ein häufig unterschätzter, aber entscheidender Faktor für die Entwicklung eines gesunden Verhältnisses zum Essen bei Kindern ist das emotionale Umfeld während gemeinsamer Mahlzeiten. Wissenschaftliche Studien belegen, dass regelmäßige Familienmahlzeiten mit einem erhöhten Konsum von Gemüse, Obst und nährstoffreichen Lebensmitteln einhergehen, während gleichzeitig der Verzehr von stark verarbeiteten, zucker- und fettreichen Snacks reduziert wird (Haapalahti et al., 2003). Die psychologische Sicherheit des Kindes spielt dabei eine zentrale Rolle: Fühlt sich das Kind während des Essens geborgen und akzeptiert, zeigt es eine größere Bereitschaft, am Tisch Platz zu nehmen und neue Geschmackserlebnisse auszuprobieren. Umgekehrt führt eine von Spannungen, Kritik oder konfliktbeladenen Gesprächen geprägte Atmosphäre dazu, dass Kinder gemeinsame Mahlzeiten zunehmend meiden, um emotionalen Stress zu vermeiden. Noch problematischer wirken sich verschiedene Formen von Essensdruck aus – sei es durch Überredung, Zwang oder die Instrumentalisierung von Nahrung als Belohnung oder Bestrafung. Solche Verhaltensmuster führen dazu, dass Kinder die Freude am Essen verlieren, Mahlzeiten verweigern und eine erhöhte Neigung zur Entwicklung von Nahrungsmittelneophobie zeigen, also der Angst vor dem Probieren unbekannter Lebensmittel (Moroshko & Brennan, 2013). Ironischerweise verstärkt der elterliche Druck oft den Widerstand des Kindes, was einen destruktiven Kreislauf aus Frustration auf beiden Seiten in Gang setzt. Abwertende Kommentare über Aussehen, Gewicht oder Essgewohnheiten können zudem das Risiko für spätere Essstörungen deutlich erhöhen (Mountford et al., 2007). Eine positive Tischatmosphäre fördert hingegen nicht nur eine abwechslungsreiche Ernährung, sondern trägt auch zur Aufrechterhaltung eines gesunden Körpergewichts bei – ein Aspekt von besonderer Relevanz angesichts der steigenden Zahl übergewichtiger Kinder (Fiese et al., 2012).

Welche wissenschaftlich fundierten Strategien helfen Kindern dabei, nachhaltige und gesunde Essgewohnheiten zu entwickeln?

Die Grundlage für eine gesunde Ernährung des Kindes bildet nicht nur eine ausgewogene und abwechslungsreiche Kost des Kindes selbst, sondern auch die Ernährungsgewohnheiten, die von Eltern oder Bezugspersonen vorgelebt werden. Der tägliche Speiseplan sollte vorrangig frisches Obst in verschiedenen Farben, gemüsehaltige Gerichte, ballaststoffreiche Vollkornprodukte sowie Quellen ungesättigter Fettsäuren – wie Nüsse, Samen oder Fisch – beinhalten. Gleichzeitig gilt es, den Konsum stark verarbeiteter Lebensmittel einzuschränken, da diese häufig übermäßige Mengen an zugesetztem Zucker, Natrium und ungesunden Transfetten enthalten. Allerdings ist zu beachten, dass zwar eine bewusste Kontrolle der verzehrten Produkte positive Auswirkungen auf die Essgewohnheiten des Kindes hat, strenge Verbote jedoch oft den gegenteiligen Effekt erzielen: Sie steigern meist das Verlangen nach den verbotenen Lebensmitteln. Von zentraler Bedeutung sind hier nicht nur die Verfügbarkeit gesunder Alternativen, sondern auch die Förderung einer positiven Einstellung zum Essen durch gemeinsame Mahlzeiten in einer entspannten Atmosphäre, frei von Druck oder Schuldgefühlen. Eltern sollten als authentische Vorbilder fungieren – indem sie zeigen, dass Süßigkeiten oder Snacks nicht grundsätzlich verboten sind, ihr Verzehr jedoch zugunsten nährstoffreicherer Optionen begrenzt werden sollte, ohne dabei negative emotionale Assoziationen mit der Nahrungsaufnahme zu schaffen. Interessanterweise deuten Studien darauf hin, dass die Ernährungsgewohnheiten des Vaters einen größeren Einfluss auf die Entwicklung von Essanfällen und emotionalem Essen beim Kind haben als das Verhalten der Mutter (Vollmer, R.L., 2021). Darüber hinaus können restriktive Diäten oder intermittierendes Fasten, die von Eltern praktiziert werden, unbewusst zu Essstörungen bei den jüngsten Familienmitgliedern beitragen.
Mia Hoffmann

Mia Hoffmann

Profil ansehen

Scanne diesen QR-Code, um schnell auf diese Seite auf deinem Mobilgerät zuzugreifen.

QR Code