Verringerter Fettgehalt und Ausbleiben der Menstruation
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Eine unausgewogene Reduzierung von Fettgewebe kann schwerwiegende Folgen für das Fortpflanzungssystem von Frauen haben. Oft wird angenommen, dass eine unzureichende Aufnahme von Fett in Verbindung mit einer Diät für Störungen im Menstruationszyklus verantwortlich ist, es fehlen jedoch wissenschaftliche Beweise dafür. Aus diesem Grund bleibt die Frage offen, welcher Faktor hauptsächlich zum Ausbleiben der Menstruation bei Frauen beiträgt?
Funktionelle hypothalamische Amenorrhoe (FHA): Definition, hormonelle Störungsmechanismen und deren Zusammenhang mit körperlicher Aktivität sowie energetischem Defizit
Die funktionelle hypothalamische Amenorrhoe (FHA, engl. *Functional Hypothalamic Amenorrhea*) bezeichnet eine anpassungsbedingte Störung des Menstruationszyklus, die durch neuroendokrine Dysregulation ohne organische Schäden des Fortpflanzungssystems entsteht. Dieses Syndrom tritt vornehmlich bei Leistungssportlerinnen in Disziplinen mit strengen Gewichtsklassifikationen auf – wie etwa Kunstturnen, Langstreckenlauf oder Ballett – wird jedoch zunehmend auch bei Freizeitsportlerinnen diagnostiziert, die durch kombinierte Kraft- und Ausdauertrainings bei gleichzeitiger kalorischer Restriktion eine Gewichtsabnahme anstreben. Die Pathophysiologie der FHA basiert auf einer Kaskade hormoneller Störungen, darunter:
1. **Eine gestörte Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse (HPO)**, die zu einer verminderten pulsatilen Ausschüttung von Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) führt, was wiederum die Östrogen- und Progesteronproduktion reduziert;
2. **Ein erniedrigter Leptinspiegel** – ein von Fettzellen produziertes Hormon, das dem Körper den energetischen Status signalisiert; ein Mangel wird als Hungersignal interpretiert und aktiviert Energiesparmechanismen auf Kosten der reproduktiven Funktionen;
3. **Eine Überaktivität der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinden-Achse (HPA)**, die zu erhöhten Cortisolwerten führt – dem Stresshormon, das die Ovulation hemmt;
4. **Eine reduzierte Aktivität der Hypothalamus-Hypophysen-Schilddrüsen-Achse (HPT)**, die zu einer subklinischen Hypothyreose und weiteren Stoffwechselstörungen führen kann.
Von zentraler Bedeutung für die Entstehung der FHA sind zudem Hormone, die den Energiehaushalt regulieren: **Ghrelin** (stimuliert den Appetit durch Aktivierung orexigener Neuronen im Hypothalamus), **Leptin** (hemmt das Hungergefühl und informiert über Fettreserven), **Neuropeptid Y** (fördert die Energiespeicherung) und **Kisspeptin** (moduliert die GnRH-Sekretion). Wie Studien von Gordon et al. (2017) zeigen, handelt es sich dabei nicht um eine anatomische Fehlbildung, sondern um eine adaptive Reaktion auf chronischen Kaloriendefizit, metabolischen oder psychischen Stress.
Diagnostische Merkmale und Risikofaktoren der hypothalamischen funktionellen Amenorrhoe (FHA): Eine systematische Leitlinie zur Erkennung
Die wechselseitige Abhängigkeit zwischen dem energetischen Status des Körpers und der regulären Funktion der Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse legt nahe, dass ein chronisches Kaloriendefizit in der Ernährung als einer der primären Auslöser für die Entstehung einer hypothalamischen funktionellen Amenorrhoe (FHA) angesehen werden kann. Zu den prädisponierenden Faktoren zählen darüber hinaus anhaltender psychischer Stress, ein extrem niedriger Körperfettanteil im Verhältnis zur Gesamtkörpermasse, chronischer Schlafmangel sowie übermäßige, die physiologischen Kapazitäten übersteigende körperliche Belastungen. Die Diagnosestellung einer FHA basiert in erster Linie auf einer gründlichen anamnestischen Erhebung des Menstruationsverlaufs, die sowohl die bisherige Zyklusregularität als auch mögliche Unregelmäßigkeiten oder das vollständige Ausbleiben der Menarche bei heranwachsenden Mädchen umfasst (in Übereinstimmung mit den Forschungsergebnissen der Arbeitsgruppe um C.M. Gordon aus dem Jahr 2017). Von entscheidender Bedeutung ist zudem die Erfassung umfassender Lebensstilparameter, einschließlich der Ernährungsgewohnheiten (unter besonderer Berücksichtigung möglicher Essstörungen), des Aktivitätsniveaus, der Schlafqualität und -quantität, der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sowie des Konsums von Genussmitteln. Ein zentraler diagnostischer Aspekt besteht in der Identifikation chronischer Stressquellen, die zu Dysfunktionen der Hypothalamus-Hypophysen-Achse beitragen können. Aufgrund der sensiblen Natur des Themas kann es in einigen Fällen erforderlich sein, eine klinisch-psychologische Fachkraft in den Diagnoseprozess einzubinden – insbesondere dann, wenn Patientinnen Widerstände oder Schamgefühle im Zusammenhang mit der Besprechung der Symptomatik zeigen.
Sicheres Kaloriendefizit: Wissenschaftlich fundierte Richtwerte für Gesundheit und Fruchtbarkeit bei Frauen
Die tägliche Kalorienzufuhr ist eine hochindividuelle Angelegenheit, die von Faktoren wie Körpergewicht, Körperzusammensetzung (Fett- zu Muskelmasse-Verhältnis) und körperlicher Aktivität abhängt. Wissenschaftliche Longitudinalstudien belegen, dass ein langfristig aufrechterhaltenes Energiedefizit das Risiko für **funktionelle Zyklusstörungen** signifikant erhöht (Skarakis et al., 2021). Für sportlich aktive Frauen wird empfohlen, zur Aufrechterhaltung der reproduktiven Gesundheit und hormonellen Balance eine **Nettoenergiezufuhr** von mindestens **45 kcal pro Kilogramm fettfreier Masse (FFM)** sicherzustellen – wobei unter „Nettoenergie“ die nach Abzug des Aktivitätsbedarfs verbleibende Energie zu verstehen ist. Während einer Fettabbauphase kann dieser Wert auf **30 kcal/kg FFM** reduziert werden, allerdings sollten diese Richtwerte stets individuell angepasst werden. Kritisch ist, dass sowohl Untergewicht als auch ein zu aggressives Kaloriendefizit die Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse stören können, was zu einer **erhöhten FSH-Sekretion**, einer verkürzten Lutealphase und ultimately zu einer **verminderten Fertilität** führt. Systematische Reviews zeigen, dass Frauen mit einem BMI < 18,5 im Schnitt **länger benötigen**, um eine Schwangerschaft zu erreichen, als Frauen mit Normalgewicht (Fontana & Torre, 2016).
Therapeutische Maßnahmen bei diagnostizierter funktioneller hypothalamischer Amenorrhoe (FHA): klinische Strategien und Lebensstilmodifikationen
Die wirksame Behandlung der funktionellen hypothalamischen Amenorrhoe (FHA) erfordert vorrangig die Identifizierung und Beseitigung der zugrundeliegenden ätiologischen Faktoren. Eine gründliche medizinische Bewertung und die Sammlung umfassender Daten sind unerlässlich, um einen individualisierten Behandlungsplan zu erstellen. In den meisten Fällen erweist sich die Umsetzung ausgewogener Veränderungen im täglichen Lebensstil als entscheidend: dies umfasst die Optimierung der Ernährung hinsichtlich einer angemessenen Kalorienzufuhr, die präzise Überwachung des Energiehaushalts im Zusammenhang mit körperlicher Aktivität sowie – falls klinisch indiziert – die Reduzierung der Trainingsintensität. Ebenso wichtig sind die Minimierung der Exposition gegenüber Stressfaktoren und die Entwicklung effektiver Bewältigungsstrategien für emotionale Belastungen. Patientinnen mit Menstruationsstörungen sollten sich bewusst sein, dass der therapeutische Prozess häufig eine schrittweise Gewichtszunahme erfordert, was oft auf psychologischen Widerstand stößt. Wenn ein Energiedefizit die primäre Ursache der Dysfunktion darstellt, führen alternative Behandlungsmethoden nicht zum gewünschten Erfolg. In bestimmten Fällen kommt zusätzlich eine pharmakologische Intervention in Form einer Hormontherapie zum Einsatz, doch bleibt die Modifikation des Lebensstils der zentrale Pfeiler der Therapie, die in den meisten Fällen die Wiederherstellung der normalen Menstruationsfunktion ermöglicht.
Handbuch für sicheres Abnehmen und die Folgen übermäßiger Einschränkungen unter besonderer Berücksichtigung der Gesundheit körperlich aktiver Frauen
Der Abbau von überschüssigem Fettgewebe verläuft außerordentlich langsam und erfordert daher Geduld sowie Konsequenz in der Umsetzung. Eine zu drastische Kalorienrestriktion in Kombination mit exzessivem Training kann schwerwiegende physiologische Störungen auslösen, darunter das als **Female Athlete Triad (FAT)** oder **hypothalamische Hypogonadismus (FSH)** bekannte Syndrom. Dieses Problem betrifft eine breite Gruppe von Frauen — sowohl professionelle Sportlerinnen als auch Hobbysportlerinnen, deren primäres Ziel die Körperformung ist. Von zentraler Bedeutung sollte stets die Priorisierung der körperlichen Gesundheit sein, verbunden mit dem Verzicht auf extreme Methoden der Gewichtsabnahme und dem Streben nach Ausgewogenheit. Die ideale Lösung besteht in der Anwendung eines **individuell angepassten Ernährungsplans**, der eine angemessene Energie- und Nährstoffzufuhr gewährleistet, kombiniert mit einer **vernünftig strukturierten körperlichen Aktivität** — nur ein solcher Ansatz ermöglicht das Erreichen der gewünschten ästhetischen Ergebnisse **ohne gesundheitliche Risiken**.