Systemische Essstörungen
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Systemtheorien sehen die Familie als ein System von Objekten, die voneinander abhängig und miteinander verbunden sind. Eine Störung, eine Psychopathologie oder Probleme eines ihrer Mitglieder werden als Störung des Gleichgewichts des gesamten Systems erklärt. Laut dieser Theorie ist das Problem nicht nur eine Frage des individuellen Managements, sondern spiegelt die Dysfunktion des gesamten Systems wider. Darüber hinaus dienen Krankheitssymptome dem Erhalt des Status quo der Familie oder sind Signale, die Veränderungen im Funktionieren des familiären Systems auslösen. Zunehmend wird die Ansicht, den Kranken als Opfer des Systems zu sehen, zugunsten einer Perspektive aufgegeben, die ihn als Teil des sogenannten problematischen Systems betrachtet.
Die Rolle der Familie bei der Entstehung von Essstörungen
Józefiks Untersuchungen zum Einfluss des familiären Umfelds auf die Entstehung von Essstörungen, insbesondere Anorexie und Bulimie, zeigen bestimmte wiederkehrende Muster. Familien von Betroffenen sind durch spezifische Beziehungsdynamiken geprägt, die die Autonomie ihrer Mitglieder behindern, die Fähigkeit zur emotionalen und Bedürfnisäußerung einschränken, unangemessene Beziehungsgrenzen schaffen und eine übermäßige Fokussierung auf den Erfolg der Kinder fördern. In solchen Familien treten häufig Probleme im Zusammenhang mit Verlustbewältigung auf, was die Individualisierungsprozesse der Kinder und die Festlegung von Grenzen zwischen Familienmitgliedern negativ beeinflusst. Zudem herrscht in diesen Familien eine starke Konzentration auf das Aussehen, eine übertriebene Betonung der Bedeutung von Schlankheit sowie eine übermäßig beschützende Atmosphäre. Konflikte und Kommunikationsschwierigkeiten äußern sich oft durch das Essverhalten, insbesondere durch Essverweigerung. Personen aus solchen Familien haben Schwierigkeiten, soziale Kontakte zu knüpfen, und ihre Partnerschaften sind schwach, kindzentriert und nicht auf die gegenseitigen Bedürfnisse der Partner ausgerichtet. In diesen Familien übernehmen Frauen häufig eine selbstaufopfernde Rolle, verzichten auf eigene Ambitionen zugunsten des familiären Erfolgs.