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Körperhaltungsstörungen – Brustkorbanomalien

David Janitzek

David Janitzek

2026-03-17
5 Min. Lesezeit
Körperhaltungsstörungen – Brustkorbanomalien
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Die nächste Kategorie von Körperhaltungsstörungen, über die ich schreiben möchte, sind Brustkorbdefekte. Obwohl sie seltener auftreten als Wirbelsäulenprobleme, sollten sie nicht vernachlässigt werden. Mehr über ihre Ursachen, Symptome und Behandlungsmethoden erfahren Sie im folgenden Text.

Was genau sind Brustkorbanomalien und welche anatomischen sowie funktionellen Folgen haben sie?

Ein anatomisch korrekt geformter Brustkorb ist durch eine vordere Positionierung des Brustbeins sowie der vorderen Brustwand gekennzeichnet. Die Rippen sollten so angeordnet sein, dass der vordere Abschnitt des Thorax den am weitesten nach vorne ragenden Teil des Rumpfes darstellt. Unter dem Begriff Brustkorbanomalien versteht man daher alle strukturellen Abweichungen und pathologischen Veränderungen, die diesen Gleichgewichtszustand stören. Zu den häufigsten Folgen solcher Störungen zählen Funktionsstörungen des Atmungs- und Kreislaufsystems, darunter: eine verminderte Leistungsfähigkeit der Atemmuskulatur, eine Verringerung der Vitalkapazität der Lunge sowie eine Einschränkung der Beweglichkeit des Brustkorbs während der Atmung.

Was versteht man unter dem Begriff "Hühnerbrust" (Pectus carinatum) und welche Merkmale sind typisch?

Diese anatomische Abweichung kommt deutlich seltener vor als die trichterförmige Brustkorbanomalie (Pectus excavatum). Ihr auffälligstes Kennzeichen besteht in einer stark ausgeprägten und deutlich sichtbaren Vorwölbung des Brustbeins nach vorne, die optisch an den Schnabel eines Vogels oder den Bug eines Bootes erinnert. In der Regel handelt es sich um einen angeborenen Defekt, dessen genaue Ursachen bisher nicht vollständig geklärt sind. Dennoch lässt sich bei einem Teil der diagnostizierten Fälle ein Zusammenhang mit einer in der Vergangenheit durchgemachten Rachitis feststellen – einer Stoffwechselerkrankung, die vornehmlich die männliche Bevölkerung betrifft und bei Frauen deutlich seltener auftritt.

Hühnerbrust-Syndrom: Klinische Merkmale und morphologische Klassifizierung der Thoraxdeformität

Die zuvor beschriebene, schnabelartige Deformierung des Brustbeins und des vorderen Thoraxbereichs stellt ein zentrales Symptom dieser Erkrankung dar, welche die physiologische Anatomie der Rippen entscheidend verändert. Als Folge dieser Fehlbildung verlieren die Rippen ihre natürliche Wölbung, was zu einer sichtbaren Einziehung unterhalb der Brustwarzenlinie führt. Zudem verstärkt die seitliche Vorwölbung der Rippen den Eindruck eines hervortretenden "Hühnerkamm"-Effekts im Brustbeinbereich. Auf Grundlage dieser klinischen Merkmale lassen sich zwei primäre Ausprägungen der Hühnerbrust unterscheiden: 1. **Typ I** – betrifft ausschließlich die Vorwölbung des Manubrium sterni, während der Corpus sterni in physiologischer Position verbleibt oder leicht nach dorsal verlagert ist; 2. **Typ II** – gekennzeichnet durch eine Vorwärtsverlagerung des Corpus sterni, wobei der Processus xiphoideus am stärksten nach vorne ragt. Es ist hervorzuheben, dass die pathologische Thoraxstruktur zu Störungen der Muskelspannung führt. Zu den hypertonen (verkürzten) Muskeln zählen der große Brustmuskel sowie die vorderen Schulterpartien. Demgegenüber sind die Rücken-, Nacken- und Bauchmuskulatur geschwächt und überdehnt. Von besonderer Relevanz sind zudem Funktionsstörungen der Atemmuskulatur, die eng mit der Thoraxbiomechanik verknüpft sind. Ätiologisch spielt Rachitis eine bedeutende Rolle als häufige Ursache dieser Deformität. Typische Residuen sind persistierende knöcherne Veränderungen wie die Harrison-Furche (eine zirkuläre Einziehung der Thoraxwand auf Höhe des Zwerchfellansatzes) oder der rachitische Rosenkranz (Verdickungen an den knorpelig-ossären Übergängen der Rippen).

Korrektive Therapieansätze bei *Pectus carinatum*: ein umfassendes rehabilitatives Behandlungskonzept

Das therapeutische Vorgehen bei der als *Hühnerbrust* bekannten Deformität des Brustkorbs (*Pectus carinatum*) basiert primär auf einer gezielt durchgeführten physiotherapeutischen Rehabilitation. Die zentralen Behandlungsziele umfassen: die Verbesserung der Gelenkbeweglichkeit im Schultergürtelbereich, die Kräftigung der Rückenmuskulatur sowie der posturalen Muskelgruppen, das Absenken der unteren Rippenbögen durch gezieltes Training der schrägen Bauchmuskeln sowie die Dehnung der lateralen Brustkorbpartien. Ein unverzichtbarer Bestandteil der Therapie stellt das Atemtraining dar, wobei besonderer Wert auf die Betonung der Exspirationsphase sowie die Förderung der Zwerchfellatmung gelegt wird. Von entscheidender Bedeutung ist die Koordination der Atembewegungen mit der Armaktivität: Während der Inspiration sollten die Arme seitlich angehoben werden, während die Exspiration mit einer vorwärts-abwärts gerichteten Armbewegung verbunden sein sollte. Absolut kontraindiziert sind sämtliche Übungen, die zu einer übermäßigen Vorwölbung des Brustbeins oder einer Verstärkung der Deformität führen könnten, insbesondere Positionen, die eine maximale Streckung der Schultergelenke erzwingen (z. B. Übungen wie "Arme nach hinten führen").

Was versteht man unter einer Trichterbrust (Pectus excavatum)?

Diese Deformität, medizinisch als *Pectus excavatum* bezeichnet und umgangssprachlich auch "Trichterbrust" genannt, stellt eine angeborene Fehlbildung der Brustwand dar. Sie entsteht häufig durch ein disproportionales Wachstum der Rippenknorpel im Verhältnis zu den knöchernen Strukturen des Brustbeins, was zu einer typischen Einziehung des unteren Brustbeinbereichs sowie der angrenzenden Rippenabschnitte führt. Die Ursachen dieser Erkrankung umfassen nicht nur Störungen der embryonalen Entwicklung des Zwerchfells, sondern auch Defekte in der Kollagenbiosynthese oder -organisation sowie genetische Prädispositionen wie das Marfan-Syndrom. Je nach Lage des tiefsten Punktes der Deformation kann sie symmetrisch auftreten (wenn die Einziehung genau in der Mittellinie des Körpers liegt) oder asymmetrisch (wenn sie seitlich verschoben ist).

Trichterbrust: Klinische Symptomatik und assoziierte Beschwerdekomplexe

Das auffälligste und diagnostisch wegweisende Merkmal dieser Fehlbildung stellt die deutliche Einziehung des Brustbeins dar, welche zur Ausbildung einer trichterförmigen Vertiefung im zentralen Thoraxbereich führt. Als direkte Folge dieser Deformität kommt es zu einer progressiven Schwächung der Rückenmuskulatur sowie zu einer Zunahme der physiologischen Brustkyphose – ein Zustand, der begünstigend für die Entstehung einer zusätzlichen Haltungsstörung, des sogenannten Rundrückens, wirken kann. Begleitend treten auf: eine vermehrte Vorwärtsrotation der Schultern (Skapulaprotraktion), eine Reduktion der Bauchmuskelspannung sowie das Auftreten pathologischer, sogenannten paradoxer Atemexkursionen des Thorax. Die gestörte Atembiomechanik manifestiert sich klinisch durch: eine verminderte körperliche Belastbarkeit, rezidivierende Infekte der oberen Atemwege und Schmerzsymptome, die sowohl im Rückenbereich als auch an der vorderen Thoraxwand lokalisiert sind.

Therapeutisches Vorgehen bei Haltungstörungen unter Berücksichtigung der Rehabilitation des Atmungs- und Bewegungsapparats

In Übereinstimmung mit den zuvor beschriebenen Funktionsstörungen bildet die umfassende Rehabilitation auch hier den zentralen Pfeiler des therapeutischen Ansatzes. Die Behandlungsstrategie sollte darauf abzielen, die Beweglichkeit im Bereich der Schultergelenke sowie der Wirbelsäulensegmente systematisch zu verbessern, während gleichzeitig die Rückenmuskulatur – insbesondere die für die aufrechte Körperhaltung verantwortlichen Muskelgruppen – gekräftigt und übermäßig verspanntes Bindegewebe sowie Bandstrukturen gelockert werden. Von besonderer Bedeutung sind zudem Atemübungen, deren Schwerpunkt auf der Optimierung der Einatmungsphase liegen sollte. Das primäre Ziel dieser Maßnahmen besteht darin, den Brustatmungstypus zu fördern, was eine Vergrößerung des sagittalen Brustkorbumfangs begünstigt. Unbedingte Kontraindikationen stellen sämtliche Körperhaltungen und körperlichen Aktivitäten dar, die eine "Verschließung" des Brustraums bewirken könnten – wie etwa das Vorstrecken der Schultern, der Vierfüßlerstand oder die Bauchlage in Stützposition –, da diese die Atemdynamik und die Rumpfbiomechanik potenziell negativ beeinflussen können.
David Janitzek

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