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Ist es wirklich SIFO? Wie unterscheidet es sich von SIBO und wie wird dieser Zustand behandelt?

Oliwia Kaczmarek

Oliwia Kaczmarek

2026-03-23
5 Min. Lesezeit
Ist es wirklich SIFO? Wie unterscheidet es sich von SIBO und wie wird dieser Zustand behandelt?
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Man beobachtet zunehmend das Auftreten verschiedener Symptome im Verdauungssystem. Störungen des Verdauungstrakts sind oft die Folge von Erschöpfung und lang anhaltendem oder plötzlichem, starkem Stress, können aber auch durch verschiedene Krankheiten verursacht werden. Zu den häufigsten Erkrankungen gehören IBS (Reizdarmsyndrom) sowie SIBO und SIFO. In diesem Beitrag werden wir uns hauptsächlich auf die letztgenannte Störung konzentrieren.

Was versteht man unter dem Syndrom der übermäßigen Pilzbesiedlung des Dünndarms (SIFO)?

Das Syndrom der übermäßigen Pilzbesiedlung des Dünndarms, bekannt als SIFO (Abkürzung für *Small Intestinal Fungal Overgrowth*), beschreibt einen pathologischen Zustand, bei dem es zu einer unkontrollierten Vermehrung von Mikropilzen – insbesondere der Gattung *Candida* – innerhalb des Dünndarmlumens kommt. Obwohl diese Mikroorganismen bei den meisten Menschen als natürlicher Bestandteil der Darmmikrobiota vorkommen, kann ihr übermäßiges Wachstum zu Verdauungsstörungen sowie systemischen Entzündungsreaktionen führen. Unter normalen Umständen halten die Abwehrmechanismen des Körpers diese Pilze in einem Gleichgewicht mit anderen Mikroben. Doch Faktoren wie ein geschwächtes Immunsystem, langfristige Antibiotikatherapien, gestörte Darmmotilität oder Veränderungen des pH-Werts im Darmmilieu können ihre Migration vom Dickdarm in den Dünndarm begünstigen, wo sie klinische Symptome hervorrufen, die denen eines bakteriellen Überwuchses (SIBO) ähneln, jedoch eine andere Ätiologie aufweisen.

Unterschiede zwischen SIFO und SIBO

SIFO kann leicht mit SIBO verwechselt werden, das Small intestinal bacterial overgrowth (SIBO) ist. Diese beiden Krankheitszustände sind mit ähnlichen Symptomen verknüpft, die hauptsächlich zu einer Störung des Darms führen, aber durch andere Arten von Mikroorganismen verursacht werden, die den Darm übermäßig besitzen.

Prädisponierende Faktoren für die Entwicklung einer Dünndarm-Pilzüberwucherung (SIFO): aktuelle epidemiologische und klinische Erkenntnisse

Bis vor kurzem galt das Vorliegen eines Immunmangels – wie er bei HIV-Infektionen, nach soliden Organtransplantationen, im Rahmen immunsuppressiver Krebstherapien oder bei langjähriger Diabetes mellitus mit persistierender Hyperglykämie auftritt – als primärer Risikofaktor für die Entstehung einer Dünndarm-Pilzüberwucherung (SIFO). Darüber hinaus konnte gezeigt werden, dass SIFO-Episoden als Folge einer vorherigen Breitbandantibiotikatherapie oder einer prolongierten Kortikosteroidbehandlung auftreten können. Besonders gefährdet sind zudem ältere Patienten sowie Kinder, bei denen die natürliche intestinale Immunbarriere möglicherweise kompromittiert ist. Epidemiologische Studien verweisen zudem auf eine erhöhte Inzidenz von SIFO bei hospitalisierten Patienten im Vergleich zu ambulant behandelten Personen. Dennoch bleibt die Ätiopathogenese dieses Phänomens bei Patienten mit idiopathischen gastrointestinalen Beschwerden sowie bei immunkompetenten Individuen weiterhin nicht vollständig geklärt. Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen haben das Spektrum potenzieller Risikofaktoren erweitert und identifizieren unter anderem die Einnahme von Protonenpumpenhemmern (PPI) sowie Motilitätsstörungen des Dünndarms als signifikante Korrelate der SIFO-Entwicklung, wie in einer Studie von C. Jacobs et al. aus dem Jahr 2013 dokumentiert wurde.

Typische Anzeichen des Dünndarm-Pilzüberwuchses (SIFO): Klinische Symptomatik

Patienten mit einer diagnostizierten Überbesiedlung des Dünndarms durch pilzliche Mikroorganismen (SIFO) berichten in der Regel über eine Vielzahl gastrointestinaler Beschwerden, zu denen vor allem wiederkehrende abdominelle Schmerzen oder akute Missempfindungen im Bauchraum, eine übermäßige Gasbildung mit daraus resultierender sichtbarer abdominaler Distension, das subjektive Gefühl eines "Überschwappens" von Nahrungsbrei oder ein vorzeitiges Sättigungsgefühl unmittelbar nach der Mahlzeit zählen. Des Weiteren treten häufig Verdauungsstörungen auf, die sich durch ein Schweregefühl im Oberbauch äußern, sowie häufiges Aufstoßen von Luft oder Mageninhalt, episodische Übelkeitsanfälle und plötzliches Erbrechen. Bei vielen Betroffenen lässt sich zudem eine beschleunigte Darmpassage mit begleitenden Durchfallepisoden beobachten, was langfristig zu erheblichen Elektrolytstörungen und einer fortschreitenden Dehydratation führen kann. Angesichts dessen erfordert eine ausgeprägte gastrointestinale Symptomatik den umgehenden Beginn einer symptomatischen Therapie, um den Zustand des Patienten zu stabilisieren. Es ist wichtig zu betonen, dass die genannten Symptome nicht ausschließlich für SIFO charakteristisch sind und auch im Rahmen zahlreicher anderer gastrointestinaler Erkrankungen auftreten können; epidemiologische Studien deuten jedoch darauf hin, dass in etwa 25 % der Fälle chronischer Darmbeschwerden eine Dünndarm-Pilzüberbesiedlung die zugrundeliegende Ursache darstellen könnte.

Diagnostische Verfahren zur Identifizierung der kleinen Darm-Pilzinfektion (SIFO-Diagnostik)

Gegenwärtig gilt die zuverlässigste diagnostische Methode zur Bestätigung oder zum Ausschluss einer kleinen Darm-Pilzinfektion (SIFO) als die Entnahme von Dünndarminhalt – speziell aus dem Bereich des Zwölffingerdarms oder des oberen Jejunums – im Rahmen einer Endoskopie (Gastroskopie oder Enteroskopie). Das gewonnene biologische Material wird anschließend einer detaillierten mikrobiologischen Analyse unterzogen, um insbesondere Hefepilze der Gattung *Candida* nachzuweisen. Es ist jedoch zu beachten, dass Candida-Zellen auch in Stuhlproben in Konzentrationen von 10² bis 10³ KBE/ml vorkommen können, ohne zwangsläufig auf eine aktive Infektion hinzudeuten; oft handelt es sich dabei um harmlose, physiologisch im Darmtrakt ansässige Kommensalen, sofern das Immunsystem des Wirts intakt ist. Bei immungeschwächten Patienten kann jedoch eine mikroskopische Untersuchung der Stuhlproben einen übermäßigen Candida-Befall aufdecken, was einen wichtigen diagnostischen Hinweis darstellt. Eine klar definierte Grenzkonzentration (*Cut-off-Wert*), die zwischen physiologischem und pathologischem Zustand unterscheidet, existiert nicht; in der klinischen Praxis wird jedoch angenommen, dass der Nachweis von mehr als 10³ Pilzzellen pro Milliliter Dünndarminhalt auf das Vorliegen von SIFO hindeuten kann. Ergänzend sei erwähnt, dass die Diagnostik eines gleichzeitig auftretenden bakteriellen Überwuchses im Dünndarm (SIBO) sowohl die kulturelle Anzucht von Bakterien aus dem Darminhalt als auch – weitaus häufiger – Wasserstoff-Methan-Atemtests umfassen kann, bei denen die Konzentration dieser Gase in der Ausatemluft gemessen wird.

Therapeutische Maßnahmen bei der kleinen Dünndarm-Pilzinfektion (SIFO)

Die therapeutische Vorgehensweise bei einer Dünndarm-Pilzinfektion (SIFO) richtet sich nach dem individuellen klinischen Profil des Patienten, einschließlich seines allgemeinen Gesundheitszustands, der Vorgeschichte früherer medizinischer Behandlungen sowie des Verlaufs begleitender Erkrankungen. Um eine vollständige Eliminierung des pathogenen Pilzes zu erreichen, ist eine systematische, mindestens zwei- bis dreiwöchige Behandlung mit antimykotischen Arzneimitteln erforderlich. Die Pharmakotherapie umfasst Wirkstoffe aus verschiedenen Medikamentenklassen, darunter Azolderivate, Echinocandine sowie Polyenantibiotika. Es ist zu betonen, dass die angewandten Behandlungsprotokolle zwar häufig eine Linderung der für SIFO typischen Symptome bewirken, ihre Wirksamkeit jedoch nicht in jedem klinischen Fall garantiert ist. Zum Vergleich: Bei der Behandlung des bakteriellen Überwuchses im Dünndarm (SIBO) kommen standardmäßig Breitbandantibiotika oder Eubiotika wie Rifaximin zum Einsatz, das selektiv die Zusammensetzung des Mikrobioms modifiziert, ohne in den Blutkreislauf aufgenommen zu werden.

Ernährungstherapeutische Maßnahmen zur Unterstützung der Behandlung und Prävention von Small Intestinal Fungal Overgrowth (SIFO)

Selbst nach erfolgreicher Therapie kann es beim Small Intestinal Fungal Overgrowth (SIFO) zu Rückfällen kommen, weshalb eine gezielte ernährungstherapeutische Begleitung essenziell ist, um die Darmgesundheit langfristig zu stabilisieren. Der grundlegende und unverzichtbare Ansatz in der Behandlung sowie Prävention von SIFO besteht in einer strikten Reduktion einfachverfügbarer Kohlenhydrate, insbesondere von Saccharose, Fructose und Glucose. Betroffene sollten vollständig auf stark zuckerhaltige Lebensmittel verzichten, darunter Süßwaren, gezuckerte Milchprodukte, Limonaden sowie Fruchtsäfte. Erlaubt ist jedoch ein moderater, kontrollierter Verzehr von Obst mit niedrigem glykämischen Index – empfohlen wird eine tägliche Portion (z. B. Beeren oder grüne Äpfel), sofern dies vertragen wird. Während akuter dyspeptischer Beschwerden (wie Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall) sollte vorübergehend auf blähende, schwer verdauliche oder ballaststoffreiche Lebensmittel verzichtet werden, etwa Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Kohlgemüse (z. B. Weißkohl, Brokkoli) sowie Speisepilze. Nach Abklingen der gastrointestinalen Symptome kann die Ernährung schrittweise um diese zuvor gemiedenen Komponenten erweitert werden, da sie für die Aufrechterhaltung einer gesunden Darmmikrobiota von Bedeutung sind. Der Einsatz von Probiotika oder eine fäkale Mikrobiota-Transplantation sind derzeit keine Standardtherapien bei SIFO, werden jedoch in laufenden klinischen Studien auf ihre Wirksamkeit hin untersucht.

Zusammenfassende Analyse der mykotischen Dünndarmerkrankung und deren Abgrenzung zum bakteriellen Überwuchs

Die übermäßige Besiedlung des Dünndarms durch pilzliche Mikroorganismen stellt eine vergleichsweise neu beschriebene Erkrankung innerhalb der gastrointestinalen Pathologien dar. Obwohl die klinischen Symptome denen des bakteriellen Dünndarmüberwuchses (SIBO) ähneln können, unterscheiden sich sowohl die diagnostischen Verfahren als auch die therapeutischen Ansätze deutlich voneinander. Bei der Abklärung funktioneller Störungen des Verdauungstrakts ist es daher unerlässlich, beide Erkrankungen als mögliche Ursachen in Betracht zu ziehen, um eine präzise Diagnosestellung und eine gezielte Behandlung zu gewährleisten.
Oliwia Kaczmarek

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