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Die Erstellung eines Bildes vom eigenen Körper und sein Einfluss auf das Selbstgefühl

Julia Wójcik

Julia Wójcik

2026-03-19
4 Min. Lesezeit
Die Erstellung eines Bildes vom eigenen Körper und sein Einfluss auf das Selbstgefühl
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Ich weiß, dass ich es nicht erwähnen sollte, aber ich versuche seit einiger Zeit, abzunehmen. Jeder hat mich mit seinen Kommentaren blockiert, und ich sehe mich immer noch als zu dicke Person...

Körperwahrnehmung: psychologische Konstruktion und ihre dimensionale Schichtung

Das **Körperbild** wird als die **mentale Repräsentation des eigenen Körpers** verstanden, die wir in unserem Bewusstsein formen (gemäß Ogden, in Anlehnung an Schilder, 1950). Dieses Konstrukt lässt sich auf **drei zentrale Analyseebenen** betrachten. Die **kognitive Dimension** bezieht sich auf die **subjektive Wahrnehmung und Bewertung der eigenen körperlichen Erscheinung**: Welche Überzeugungen prägen unser Denken über unseren Körper, welche Attribute schreiben wir ihm zu und wie interpretieren wir diese? Die **emotionale Ebene** beschränkt sich nicht allein auf das **Ausmaß der Zufriedenheit oder Unzufriedenheit mit bestimmten körperlichen Merkmalen** (wie im Fall der von der Autorin untersuchten Malia, die eine **tiefe Unzufriedenheit mit ihrem Körperbild** empfand), sondern umfasst auch **breitere affektive Zustände**, darunter **ängstliche Gefühle**, die häufig mit der Reflexion über den eigenen Körper einhergehen. Studien zeigen, dass **Frauen oft eine starke Angst vor Gewichtszunahme entwickeln**, während **Männer vor allem den Verlust von Muskelmasse oder eine allgemeine Auszehrung fürchten**. Die **verhaltensbezogene Komponente** schließlich umfasst **aktive Handlungen, die darauf abzielen, die wahrgenommene Diskrepanz zwischen dem realen und dem idealisierten Selbstbild zu verringern** – hierzu zählen **regelmäßiges Krafttraining, extreme „Wunderdiäten“ sowie kompensatorische Verhaltensweisen** wie selbstinduziertes Erbrechen oder exzessive Sportausübung.

Die Entwicklung des Körperbildes: prägende Faktoren und psychologische Mechanismen

Die Entwicklung des eigenen Körperbildes ist ein lebenslanger Prozess, der durch vielfältige Lebenserfahrungen geprägt wird. Besonders prägend sind die frühen Interaktionen mit Bezugspersonen, wobei selbst eine liebevolle Betreuung keine Garantie dafür bietet, ein verzerrtes Selbstbild zu vermeiden. Klinische Beobachtungen zeigen, dass Sportlehrer hier eine zentrale Rolle spielen: Ihre oft unbedachten Kommentare – die nicht selten in verbale Aggression übergehen – hinterlassen bei jungen Menschen tiefgreifende psychische Spuren. Ähnlich traumatisch können scheinbar routinemäßige medizinische Prozeduren wirken, wie etwa das öffentliche Messen von Größe und Gewicht in der Schule, die unter diesen Umständen zu einer demütigenden Prozedur werden. Die Pubertät stellt einen weiteren kritischen Zeitpunkt dar, in dem hormonelle Umstellungen auf sozialen Druck treffen und traumatische Erlebnisse die Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen Aussehen und dessen subjektiver Wahrnehmung verstärken. Die Medien spielen dabei eine ambivalente Rolle: Einerseits vermitteln sie den Mythos, dass nur Menschen, die unrealistischen Schönheitsidealen entsprechen, im Leben erfolgreich sein können; andererseits verstärken digitale Bildmanipulationen (z. B. durch Photoshop) die Verzerrung des eigenen Körperbildes zusätzlich. Empirische Studien (u. a. von Rybicka-Klimczyk & Brytek-Matera) belegen, dass die größten Unterschiede zwischen dem realen und dem wahrgenommenen Körperbild bei Jugendlichen sowie bei Frauen zwischen 20 und 25 Jahren auftreten, während diese Diskrepanz mit zunehmendem Alter abnimmt – ein mögliches Indiz für psychologische Reifung und eine wachsende Akzeptanz des eigenen Körpers.

Die weitreichenden Auswirkungen eines gestörten Körperbildes auf zentrale Lebensbereiche und Ansätze zur Überwindung selbstzerstörerischer Verhaltensmuster

Angesichts des ständigen sozialen Drucks und der inneren Selbstkritik bezüglich des eigenen körperlichen Erscheinungsbildes ergreifen wir oft verzweifelte Maßnahmen zur Veränderung unseres Aussehens, die schwerwiegende gesundheitliche Folgen nach sich ziehen können – von extremen Diätbeschränkungen über den Missbrauch von Stoffwechsel-anregenden Substanzen bis hin zu übermäßiger körperlicher Überlastung durch exzessives Training. Gleichzeitig untergräbt ein gestörtes Körperbild tiefgreifend die Qualität unserer zwischenmenschlichen Beziehungen, indem es lähmende Schamgefühle erzeugt, die uns daran hindern, an sozialen Zusammenkünften oder Familientreffen teilzunehmen. Betroffene ziehen sich häufig zurück, aus Angst vor der Bewertung durch andere: "Was werden sie denken, wenn sie sehen, dass ich etwas Kalorienreiches esse?" oder "Sie werden bestimmt bemerken, dass ich zugenommen habe, obwohl mein Gewicht eigentlich im Normalbereich liegt." In extremen Fällen dominieren zwanghafte Gedanken über die Kontrolle des Körpergewichts vollständig die Fähigkeit, sich auf berufliche Pflichten oder persönliche Ziele zu konzentrieren. Eine meiner Patientinnen, die objektiv gesehen schlank war, beschrieb ihre Erfahrungen wie folgt: "Ich bin nicht in der Lage, einfache Aufgaben bei der Arbeit zu erledigen, weil sich meine Gedanken ständig um die Angst drehen, an Gewicht zuzunehmen. Ich vermeide es, in Gegenwart anderer zu essen, weil ich mich ständig beobachtet und bewertet fühle." Bei der Beobachtung dieser Verhaltensmuster drängt sich der Eindruck auf, dass wir mit dem fortschreitenden zivilisatorischen Wandel die Fähigkeit verlieren, in Harmonie mit unserem eigenen Körper zu leben – statt ihn als Verbündeten zu betrachten, beginnen wir, ihn als Gegner zu sehen, gegen den wir einen ermüdenden Kampf führen. Es erscheint daher unerlässlich, bewusste Anstrengungen zu unternehmen, um ein positives Verhältnis zu uns selbst wiederaufzubauen und die bisher in destruktive Muster investierte Energie auf persönliche Entwicklung, Beziehungen oder Leidenschaften umzulenken, die dem Leben eine tiefere Bedeutung verleihen.
Julia Wójcik

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