Öfter als je zuvor reisen Menschen um die ganze Welt oder ändern ihren Wohnsitz dauerhaft, indem sie in neue, unbekannte Länder emigrieren. Ein unverzichtbarer Aspekt der Emigration ist die unvermeidbare Anpassung an die neuen Lebensbedingungen, die Modifikation des bisherigen Lebensstils und manchmal die unausweichliche Notwendigkeit, die Essgewohnheiten zu ändern, die sich aus der neuen Kultur und der Verfügbarkeit bestimmter Lebensmittel ergeben.
Ernährungsanpassung im Migrationskontext: Mechanismen und Determinanten diätetischer Veränderungen bei Migrant:innen
Die ernährungsbezogene Akkulturation stellt ein vielschichtiges soziokulturelles Phänomen dar, bei dem Zuwandernde schrittweise ihre bestehenden Essgewohnheiten, Konsummuster und Einstellungen gegenüber Nahrungsmitteln unter dem Einfluss der neuen Umgebung anpassen. Nehmen wir als Beispiel einen polnischen Staatsbürger, der sich in Japan niederlässt: Durch den anhaltenden Kontakt mit lokalen Lebensmitteln, den eingeschränkten Zugang zu traditionellen polnischen Zutaten sowie das Fehlen von Restaurants, die heimische Gerichte anbieten, kann es zu einer schrittweisen Transformation seiner Ernährungsgewohnheiten kommen. Ausmaß und Dynamik dieser Veränderungen hängen maßgeblich von den individuellen Dispositionen der migrierenden Person ab, doch empirische Studien belegen eindeutig, dass die Mehrheit der Migrant:innen – in unterschiedlichem Grad – Elemente des Ernährungsmodells des Aufnahmelands übernimmt, sei es vollständig oder teilweise [1]. Eine zentrale Rolle spielen dabei bildungsbezogene Faktoren: Personen mit höherer formaler Bildung zeigen eine größere Bereitschaft zur Modifikation ihrer Essgewohnheiten im Vergleich zu weniger gebildeten Individuen [2]. Besonders anfällig für Veränderungen sind jüngere Generationen, langfristige Migrant:innen sowie Personen, die die Sprache des Gastlands fließend beherrschen. Weitere Katalysatoren der ernährungsbezogenen Akkulturation sind: eingeschränkte Verfügbarkeit von Produkten aus dem Herkunftsland, Veränderungen in deren Qualität oder Zusammensetzung, höhere Preise sowie der zeitliche Aufwand für die Zubereitung traditioneller Mahlzeiten. So ergaben Studien an erwachsenen Koreaner:innen in den USA, dass diese amerikanische Frühstücksgewohnheiten aufgrund deren Einfachheit und Schnelligkeit übernahmen, während sie beim Abendessen häufig auf koreanische Gerichte zurückgriffen. Der Anpassungsprozess wird zudem durch das Fehlen lokaler Restaurants mit Angeboten aus dem Herkunftsland sowie durch die individuelle Motivation zur Übernahme neuer kulinarischer Bräuche beschleunigt.
Die Bewahrung traditioneller Ernährungsmuster in einer fremden Kulturumgebung
Der Begriff der Ernährungsenkulturation beschreibt ein Phänomen, das im Gegensatz zur Akkulturation steht, insbesondere im Hinblick auf Essgewohnheiten. Er bezieht sich auf die bewusste Ablehnung und Nichtübernahme der kulinarischen Traditionen und Ernährungsnormen, die im Zielland vorherrschen. Diese Haltung ist besonders verbreitet unter kurzfristig im Ausland lebenden Personen, wirtschaftlich benachteiligten oder bildungsfernen Bevölkerungsgruppen, älteren Menschen sowie solchen, die aufgrund sprachlicher Barrieren nicht in der Lage sind, sich vollständig in die lokale Gemeinschaft zu integrieren.
Die Aufrechterhaltung einer enkulturierten Ernährungsweise ist jedoch mit erheblichen Herausforderungen verbunden. Sie kann zu sozialen Isolationstendenzen und einem Gefühl der Entfremdung von der neuen kulturellen Umgebung führen, was die Bildung zwischenmenschlicher Beziehungen erschwert. Ein weiteres Problem stellt der Konsum traditioneller Gerichte aus dem Herkunftsland dar, die von der Umgebung oft als fremdartig, unbekannt oder sogar inakzeptabel wahrgenommen werden, was das Gefühl der Andersartigkeit zusätzlich verstärkt.
Kulturelle Anpassungsprozesse: Zwischen Akkultivierung und Inkulturation – wie der Wechsel des Umfelds Gesundheit und Lebensstil beeinflusst
Sowohl der Prozess der Akkultivierung als auch der der Inkulturation können für das Individuum sowohl vorteilhafte als auch nachteilige Auswirkungen mit sich bringen, wobei der entscheidende Faktor, der die Richtung dieser Veränderungen bestimmt, sowohl das Herkunftsland als auch das Zielland sind, in das die Person auf Dauer übersiedelt. So könnte beispielsweise ein US-Bürger, der bisher einem typisch amerikanischen Ernährungsmodell folgte – geprägt durch übermäßige Mengen kalorienreicher, fettiger Speisen bei gleichzeitigem Mangel an Gemüse und Obst – nach einem Umzug in ostasiatische Länder und der Übernahme lokaler Essgewohnheiten seinen Gesundheitszustand deutlich verbessern und seine voraussichtliche Lebenserwartung erhöhen. Die ostasiatische Ernährung, gekennzeichnet durch einen geringen Fettanteil, moderate Portionsgrößen, einen hohen Anteil an rohem Fisch, Reis und Gemüse, wirkt sich nachweislich günstiger auf den Organismus aus als die Standardkernährung in den USA und reduziert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Adipositas. Umgekehrt führt die Situation, in der ein Vertreter der japanischen Kultur, der an eine gesunde Ernährung gewöhnt ist, in die USA auswandert und dort die weniger vorteilhaften lokalen Essgewohnheiten übernimmt, zu einer Verschlechterung der gesundheitlichen Parameter. Empirische Studien bestätigen, dass die Mehrheit der Migranten allmählich die Ernährungsmuster der aufnehmenden Gesellschaft übernimmt. Wenn die Migration mit dem Ersatz schädlicher Gewohnheiten durch gesündere Alternativen einhergeht, handelt es sich um ein höchst wünschenswertes Phänomen. Werden jedoch bisherige, gesundheitsfördernde Praktiken durch weniger vorteilhafte ersetzt, müssen die Folgen einer solchen Transformation aus medizinischer Sicht als nachteilig bewertet werden.