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SIBO Dünndarm-Bakterienwachstumstörung

Mateusz Pawlak

Mateusz Pawlak

2026-03-21
5 Min. Lesezeit
SIBO  Dünndarm-Bakterienwachstumstörung
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Schrift der Dreien.

Dünndarm-Fehlbesiedlung (SIBO – *Small Intestinal Bacterial Overgrowth*)

SIBO (*Small Intestinal Bacterial Overgrowth*) bezeichnet eine pathologische Veränderung der Dünndarmflora, bei der es entweder zur Besiedlung durch nicht-physiologische Bakterienstämme oder zu einer exzessiven Vermehrung der ursprünglich vorhandenen Mikroorganismen kommt (mehr als 105 koloniebildende Einheiten – KBE – pro Milliliter Darminhalt). Diese Dysbalance des Mikrobioms kann sowohl lokale Verdauungsstörungen als auch systemische Folgeerscheinungen nach sich ziehen.

Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO): Klinische Symptomatik und pathologische Folgen einer bakteriellen Überwucherung

Epidemiologische Studien deuten darauf hin, dass diese Störung bis zu ein Fünftel der erwachsenen Bevölkerung betreffen kann, mit einer Prävalenz von bis zu 22%. Die pathologische Besiedlung des Dünndarms durch schädliche Mikroorganismen führt zur Entwicklung belastender gastrointestinaler Symptome, darunter abdominelle Schmerzzustände, Episoden von Übelkeit und Erbrechen, übermäßige Gasansammlung im Darm, chronische Stuhlunregelmäßigkeiten (sowohl in Form von Obstipation als auch Diarrhö), postprandiales Völlegefühl, gastroösophagealen Reflux, Entzündungen der Magenschleimhaut, Anämie sowie Nahrungsmittelunverträglichkeiten und allergische Reaktionen. Darüber hinaus kann diese Dysbiose extraintestinale Manifestationen aufweisen, wie depressive Verstimmungen, chronische Erschöpfung, Gelenk- und Muskelschmerzen oder dermatologische Veränderungen. Der pathogenetische Mechanismus beruht auf der Fermentation unverdauter Nahrungsreste durch die fehlerhafte Darmflora, was zu einer übermäßigen Gasproduktion führt – ein Prozess, der physiologisch im Dickdarm abläuft, im Dünndarm jedoch zu erheblichem Unbehagen führt. Zudem fördern wasserstoffproduzierende Bakterien die Vermehrung methanogener Archaea, was das vorherrschende klinische Bild bestimmt: Eine Dominanz der Archaea (Methanproduzenten) korreliert mit Verstopfung, während eine Vorherrschaft wasserstoffbildender Bakterien mit Diarrhö einhergeht. Ein abwechselndes Auftreten beider Störungen kann auf eine simultane Besiedlung durch beide Mikroorganismengruppen oder eine begleitende mykotische Infektion hindeuten.

SIBO: Ursachen und Risikofaktoren für bakterielle Fehlbesiedlung im Dünndarm – eine medizinische Analyse

Die Zusammensetzung und Verteilung der Darmmikrobiota im Gastrointestinaltrakt unterliegen einer komplexen Regulation durch mechanische, biochemische und immunologische Faktoren. Zu den zentralen Steuerungsmechanismen zählen: ein adäquater pH-Wert des Magensafts, die Aktivität pankreatischer Verdauungsenzyme, das Vorhandensein von Gallensäuren sowie eine koordinierte Darmperistaltik. Störungen dieser Systeme können zu einer pathologischen Vermehrung von Bakterien in den proximalen Abschnitten des Dünndarms führen, wo unter physiologischen Bedingungen nur eine minimale bakterielle Besiedlung vorliegen sollte. Bei der **Small Intestinal Bacterial Overgrowth (SIBO)** spielen folgende Faktoren eine entscheidende Rolle: **Achlorhydrie** (fehlende oder stark reduzierte Magensäureproduktion, z. B. durch langfristige Einnahme von Protonenpumpenhemmern), **enzymatische Defizite** (insbesondere bei exokriner Pankreasinsuffizienz, wie im Rahmen von Mukoviszidose), **Immundefekte** (z. B. selektiver IgA-Mangel, HIV-Infektion, variables Immundefektsyndrom) sowie **anatomische oder funktionelle Anomalien des Gastrointestinaltrakts** (u. a. Stenosen, Dünndarmtumoren, Divertikel, postoperative Zustände nach Resektionen). SIBO tritt häufig in Verbindung mit Zöliakie, Morbus Crohn, Kurzdarmsyndrom, nicht-alkoholischer Fettlebererkrankung, Leberzirrhose oder diabetischer Neuropathie auf. Zudem sind folgende Faktoren von Bedeutung: die **Darmbarriere-Permeabilität** („*Leaky-Gut-Syndrom*“), die **Insuffizienz der Ileozökalklappe** (die einen retrograden Bakterientransport ermöglicht) und **Störungen des *migrating myoelectric complex* (MMC)** – einer zyklischen motorischen Aktivität, die für die Clearance des Dünndarms von Nahrungsresten und Mikroorganismen verantwortlich ist. Bei Versagen dieser Mechanismen kommt es zur Besiedlung durch Bakterien wie *Bacteroides*, *Lactobacillus*, *Clostridium*, *Streptococcus*, *Escherichia coli*, *Staphylococcus*, *Klebsiella pneumoniae*, *Enterococcus spp.* oder *Proteus mirabilis*, deren Stoffwechselprodukte (u. a. Wasserstoff, Methan) klinische Symptome auslösen.

Diagnostische Verfahren zur Erkennung des Dünndarmbakterienüberwuchses (SIBO) – Durchführung und Ergebnisauswertung

Die Diagnose des Dünndarmbakterienüberwuchses (SIBO) gestaltet sich aufgrund der unspezifischen und vielfältigen Symptomatik sowie der begrenzten Fachkenntnisse und diagnostischen Ressourcen unter Ärzten in Polen als besonders herausfordernd. Derzeit steht als **einziges anerkannte Verfahren** in Polen der **Wasserstoff-Atemtest (H₂-Atemtest)** zur Verfügung, bei dem die Konzentration von Wasserstoff – einem bakteriellen Stoffwechselprodukt – in der Ausatemluft des Patienten gemessen wird. In Ländern mit fortgeschrittenerer Diagnostik wird dieser Test um den **Methan-Atemtest** ergänzt, der in Polen jedoch aktuell nicht durchgeführt werden kann. Der H₂-Atemtest erfolgt mittels eines **Gastrolysers**, eines Geräts, das funktionell einem Alkoholtestgerät ähnelt. Der Patient trinkt eine Lösung aus **Laktulose** oder **Glukose**, woraufhin alle **20 Minuten über einen Zeitraum von 3 Stunden** Messungen vorgenommen werden. Die **ersten Referenzwerte** werden **vor der Einnahme der Lösung** erhoben. Bei gesunden Personen sollte der Wasserstoffgehalt nüchtern **maximal 10 ppm (parts per million)** betragen und nach Substratgabe **20 ppm nicht überschreiten**. Ein bakterielles Überwuchs wird diagnostiziert, wenn in einer der Messungen zwischen der **90. und 120. Minute** ein **Anstieg um 20 ppm gegenüber dem Ausgangswert** verzeichnet wird. Da der menschliche Körper keine Enzyme zur Spaltung von Laktulose produziert (dies erfolgt ausschließlich durch Bakterien, die physiologisch im Dickdarm vorkommen), lässt sich während des Tests der **Zeitpunkt des Verlassens des Dünndarms** durch die Laktulose identifizieren – erkennbar an einem **plötzlichen Anstieg der Wasserstoffkonzentration** (sog. *„zweiter Peak“*). Dieser zweite Peak tritt bei gesunden Personen regelmäßig auf, während ein **erster Peak** auf eine Pathologie hindeutet. Die Auswertung der Konzentrationskurve über die Zeit ermöglicht die Diagnosestellung. **Voraussetzung für zuverlässige Ergebnisse** ist eine **gründliche Vorbereitung des Patienten**: **12-stündiges Fasten** (nur stilles Wasser erlaubt), Verzicht auf Alkohol, Nikotin und Kaugummi sowie eine **leicht verdauliche Ernährung** am Vortag (Vermeidung von fettigen, frittierten, blähenden Speisen und fruktose-/laktosereichen Produkten). Zudem müssen **Nahrungsergänzungsmittel und Abführmittel 24 Stunden vor dem Test abgesetzt** und **unmittelbar vor der Untersuchung eine Mundhygiene** durchgeführt werden. **Relative Kontraindikationen** sind eine kürzlich durchgeführte Antibiotikatherapie, eine stattgehabte Koloskopie sowie das Vorliegen einer reaktiven Hypoglykämie.

Therapeutische Ansätze bei Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO) – eine umfassende Übersicht

Die Behandlung der Dünndarmfehlbesiedlung (SIBO) zählt zu den komplexesten Herausforderungen in der Gastroenterologie, da verschiedene Fachleute divergierende Ansichten über die effektivsten Maßnahmen zur Reduktion der pathologischen Bakterienbesiedlung im Dünndarm vertreten. Die konventionelle Therapie basiert primär auf einer gezielten Antibiotikagabe, wobei Metronidazol, Doxycyclin und Rifaximin – ein Antibiotikum mit selektiver Wirksamkeit gegen enterische Bakterien – am häufigsten zum Einsatz kommen. Im Anschluss an die antibiotische Behandlung ist die Implementierung einer probiotischen und präbiotischen Supplementierung unerlässlich, um die geschädigte Mikrobiota des Dickdarms zu regenerieren. Die Auswahl des Probiotikums sollte individuell erfolgen, wobei Präparate mit einer Vielfalt an Bakterienstämmen bevorzugt werden; zudem empfiehlt sich ein rotierender Einsatz verschiedener Probiotika mit divergierender mikrobiologischer Zusammensetzung. Ein weiterer zentraler Baustein der Therapie besteht in der Korrektur von Nährstoffdefiziten, die sowohl durch eine angepasste Ernährung als auch durch eine gezielte Supplementation essenzieller Mikronährstoffe erfolgen sollte. Alternativmedizinische Ansätze nutzen bioaktive Pflanzenstoffe wie Extrakte aus Wermutkraut (*Artemisia absinthium*), Katzenkralle (*Uncaria tomentosa*), Pau d’Arco (*Tabebuia impetiginosa*), Knoblauch, Oreganoöl oder die in Kokosöl enthaltene Laurinsäure – idealerweise in Form standardisierter Extrakte mit nachgewiesener antimikrobieller Wirkung. Ernährungsphysiologisch haben sich spezifische Diätformen bewährt, darunter die FODMAP-arme Ernährung, die spezifische Kohlenhydratdiät (SCD) sowie das von Dr. Allison Siebecker entwickelte therapeutische Protokoll. Es ist jedoch zu betonen, dass die SIBO-Therapie ein langwieriger Prozess ist, der Konsequenz und Geduld erfordert, wobei eine vollständige Symptomremission nicht immer erzielt werden kann. Dennoch kann eine ganzheitliche Herangehensweise, die pharmakologische Interventionen, ernährungsmedizinische Anpassungen und eine gezielte Probiotikatherapie kombiniert, die Lebensqualität der Betroffenen deutlich verbessern.
Mateusz Pawlak

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