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Alkorexie - Alkoholanteil statt Nahrung

David Janitzek

David Janitzek

2026-03-19
5 Min. Lesezeit
Alkorexie - Alkoholanteil statt Nahrung
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Schlanke Körperformen sind immer noch in Mode, und es gibt viele Methoden, um sie zu erreichen, sowohl gesunde als auch schädliche. Zu den gesunden gehören Ernährungsumstellungen und Diätvariationen sowie körperliche Aktivität. Zu den schädlichen gehören zum Beispiel Essstörungen wie Anorexie und Bulimie. In letzterer Kategorie gibt es auch neue Varianten wie Diabulimie, Manorexie und Alkorexie.

Drunkorexie: Wenn Alkohol die Mahlzeiten ersetzt, um schlank zu bleiben

Ein relativ neues, aber zunehmend anerkanntes Phänomen innerhalb der Essstörungen ist die sogenannte *Drunkorexie* (auch *Alkorexie*), eine spezifische, noch nicht offiziell klassifizierte Variante der Anorexie. Ihr Kern besteht darin, Nahrungsmittel systematisch durch alkoholisierte Getränke zu ersetzen, um Gewicht zu verlieren oder eine schlanke Figur zu bewahren. Betroffene konsumieren Alkohol häufig auf nüchternen Magen – oder reduzieren ihre tägliche Nahrungsaufnahme drastisch –, um abends größere Mengen an alkoholischen Getränken zu sich nehmen zu können, ohne dabei an Gewicht zuzunehmen. Dieses Verhalten trifft vor allem junge Frauen, darunter Teenager und Studentinnen, bei denen es sogar zu einer Art „Lebensstil" werden kann. Auch Menschen mit Bulimie neigen dazu, Erbrechen herbeizuführen, nachdem sie Alkohol getrunken haben, um dessen Kalorienaufnahme zu minimieren. Beide Gruppen teilen die Überzeugung, dass die Kalorien aus Alkohol weniger „schädlich" für die Figur sind als die aus herkömmlichen Mahlzeiten. Studien wie der CASA-Bericht von 2001 zeigen besorgniserregende Zusammenhänge: 30–59 % der Bulimie-Patient:innen und 12–18 % der Anorexie-Betroffenen neigen zu Alkoholmissbrauch oder entwickeln eine Abhängigkeit. Eine zentrale diagnostische Herausforderung besteht darin, zu klären, ob die Essstörung eine Folge des chronischen Alkoholismus ist (wenn der Appetit mit fortschreitender Abhängigkeit nachlässt) oder ob die Probleme mit der Nahrungsaufnahme bereits vorher bestanden und zur Entwicklung der Sucht beigetragen haben.

Drunkorexie im Vergleich zu Magersucht und Bulimie: Eine Gegenüberstellung essstörungsbedingter Alkoholabhängigkeitsmuster

Das Phänomen der Drunkorexie – obwohl weder im DSM-V noch in der ICD-10 als eigenständige Störung klassifiziert – wird häufig als eine spezifische Unterform der Magersucht oder Bulimie betrachtet, die durch gezieltes Reduzieren der Nahrungsaufnahme zugunsten des Alkoholkonsums gekennzeichnet ist. Bei klassischer Anorexia nervosa leiden Betroffene unter einer gestörten Körperwahrnehmung, indem sie sich trotz Untergewichts als übergewichtig oder fettleibig empfinden, was zu extremer Kalorienrestriktion führt, um das Körpergewicht weiter zu senken. Drunkorexie hingegen zielt darauf ab, größere Mengen Alkohol zu konsumieren, ohne dabei an Gewicht zuzunehmen, indem die tägliche Nahrungsaufnahme drastisch eingeschränkt wird. Beide Störungen führen langfristig zu einer körperlichen Auszehrung und einem pathologischen Gewichtsverlust, doch ein entscheidender Unterschied liegt in der Häufigkeit und dem Kontext der auffälligen Verhaltensmuster. Personen mit drunkorektischen Tendenzen verzichten zunächst nur in Zusammenhang mit geplantem Alkoholkonsum auf Mahlzeiten, was auf einen episodischen Charakter der Störung hindeutet. Mit fortschreitender Alkoholabhängigkeit können sich diese Verhaltensweisen jedoch verschlimmern, sodass die Nahrungsverweigerung zugunsten von Alkohol dauerhaft wird – was in fortgeschrittenen Stadien eine Unterscheidung zwischen Drunkorexie und klassischer Magersucht zunehmend erschwert.

Alkorexie-Determinanten: psychologische und soziokulturelle Mechanismen der Mahlzeitenersetzung durch Alkohol im Kontext von Essstörungen

Die Störung, bei der systematisch Mahlzeiten durch hochprozentige alkoholisierte Getränke ersetzt werden, ist multifaktoriell bedingt – durch komplexe Wechselwirkungen zwischen individuellen Prädispositionen und sozialem Umfelddruck. Zu den zentralen biologisch-psychologischen Determinanten gehören eine verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers, chronisch vermindertes Selbstwertgefühl sowie unbewältigte traumatische Kindheitserfahrungen, die anhaltendes emotionales Unbehagen erzeugen. Der soziokulturelle Kontext – insbesondere in Milieus, in denen Schlankheitskult, zwanghaftes Kalorienzählen und übermäßige Gewichtsregulation vorherrschen – begünstigt die Normalisierung dieses pathologischen Verhaltens. Eine zusätzliche Schlüsselrolle spielt die gesellschaftliche Akzeptanz von Alkoholkonsum: Je höher die Toleranz gegenüber Trunkenheit, desto wahrscheinlicher wird der Verzicht auf Nahrung zugunsten von Alkohol als „wirksame Strategie“ zur Aufrechterhaltung eines niedrigen Körpergewichts wahrgenommen. Betroffene zeigen häufig tiefgreifende Unwissenheit über den tatsächlichen Kaloriengehalt von Alkohol oder unterliegen illusionären Überzeugungen über dessen „gewichtsreduzierende“ Eigenschaften, was zu restriktiven Diäten führt – und in der Folge zu einer Verstärkung von Angstzuständen im Zusammenhang mit der Furcht vor Gewichtszunahme.

Gesundheitliche und psychische Auswirkungen des Ersatzes von Mahlzeiten durch Alkohol: Warum "Drunkorexie" den Körper zerstört

Der Verzicht auf vollwertige Mahlzeiten zugunsten alkoholisierter Getränke führt zu einem gefährlichen Teufelskreis metabolischer Störungen, bei dem der Körper – statt essentielle Nährstoffe zu erhalten – unter einem durch Alkohol induzierten, verstärkten Hungergefühl leidet. Wissenschaftliche Studien belegen, dass Ethanol nicht nur den Appetit nicht hemmt, sondern im Gegenteil sogar anregt, was häufig in zwanghaftem Verzehr kalorienreicher, ungesunder Snacks endet. Dies stellt jedoch nur die Spitze des Eisbergs dar, wenn es um die Folgen der sogenannten "Drunkorexie" geht – einer gefährlichen Essstörung, die durch chronischen Mangel an Vitaminen (insbesondere der B-Gruppe), Mikronährstoffen und Proteinen zu einer schrittweisen Degeneration von Geweben, Schwächung des Immunsystems und schweren Funktionsstörungen innerer Organe wie Leber, Bauchspeicheldrüse oder Herz führt. Personen, die dieses "Gewichtsmanagement" praktizieren, setzen sich zudem einem erhöhten Risiko für psychische Erkrankungen aus – von chronischer Erschöpfung und Antriebslosigkeit bis hin zu schweren depressiven Episoden oder Angststörungen, die sowohl auf physiologische Erschöpfung als auch auf Schuldgefühle aufgrund des Kontrollverlusts über den eigenen Körper zurückzuführen sind. Noch besorgniserregender ist, dass der regelmäßige Griff zum Alkohol als "Lösung" für Gewichtsprobleme schnell in eine Abhängigkeit umschlagen kann, deren Behandlung eine umfassende Intervention erfordert – von Ernährungstherapie bis hin zu psychologischer und psychiatrischer Unterstützung. Von zentraler Bedeutung ist daher die gesundheitsbezogene Aufklärung von Jugendlichen, die ein realistisches Körperbild, gesunde Ernährungsgewohnheiten und ein Bewusstsein für die Risiken restriktiver Diäten und psychoaktiver Substanzen fördert. Nur ein ganzheitlicher Ansatz – der an der Selbstakzeptanz, richtiger Ernährung und Stressbewältigung arbeitet – kann diesen destruktiven Kreislauf durchbrechen.
David Janitzek

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